Pressestatements der Pressekonferenz vom 09.12.2020

Disclaimer: Dieser Text wurde von Einzelpersonen verfasst und nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gibt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfähiges Gremium, das ‚offizielle Gruppenmeinungen‘ für die Besetzung beschließen könnte. Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfältige und teils kontroverse Meinungen. Diese Meinungsvielfalt wird daher hier nicht zensiert, sondern kann gleichberechtigt neben einander stehen. Kein Text spricht für die ganze Besetzung oder wird notwendigerweise von der ganzen Besetzung gut geheißen.

Am Mittwoch, den 09.12.2020 fand anlässlich der beendeten Räumung der Besetzung des Dannenröder Waldes eine Pressekonferenz statt.

Die am 01. Oktober begonnene, also über zwei Monate andauernde Räumung und Rodung für den Bau der A49 scheint erstmal vorbei. Zahlreiche Baumhäuser und Plattformen, auf denen die Aktivist*innen teilweise seit über einem Jahr lebten wurden unter massivem Polizeiaufgebot geräumt. Große Teile des Maulbacher Waldes, des Herrenwaldes und des Dannenröder Waldes sind bereits für den Ausbau der A49 gerodet.

Die Aktivist*innen, die im Dannenröder Wald für eine radikale Verkehrswende und eine lebenswerte Zukunft für alle eintreten, luden zur Pressekonferenz um ein Resümee zur Räumung und Rodung zu ziehen, sowie einen Ausblick auf den weiteren Verlauf des Protestes zu geben. „Ihr könnt uns aus unseren Baumhäusern räumen, ihr könnt unser Zuhause zerstören, ihr könnt die Bäume fällen und weiter an ein zerstörerisches Verkehrssystem glauben. Doch was ihr uns nicht nehmen könnt, ist die Kraft, weiter für eine gerechtere Zukunft zu kämpfen. Die A49 ist noch nicht gebaut und wir werden weiter dafür einstehen, dass das auch nie passiert!“ so Kim Lauterbach aus der Besetzung.

Bündnis „Wald Statt Asphalt“

Hallo, mein Name ist Charlie Linde. Ich spreche heute für das Bündnis „Wald Statt Asphalt“.
 
Wir haben das Jahr 2020 und wir haben gerade einen gesunden Mischwald in einem Trinkwasserschutzgebiet an eine Autobahn verloren. Wir befinden uns in einer Zeit des Waldsterbens, der Hitzesommer und der Dürrejahre. Die Klimakrise ist heute schon Realität. Und trotzdem hat die schwarz-grüne Landesregierung diese Schneise in einem der wenigen in Deutsch-land noch gesunden, intakten Mischwäldern gerodet. Das haben sie wirklich durchgezogen. Sie sind bereit, aktiv die Trinkwasserversorgung und unsere Zukunft zu gefährden – und das werden wir nie vergessen.
 
Wir haben geklagt und es hätte rechtlichen Spielraum gegeben, die A49 nicht zu bauen. Aber Tarek Al-Wazir, Katy Walther, Philipp Krämer und wie sie alle heißen bleiben weiterhin an der A49 hängen, weil ihnen der schwarz-grüne Koalitionsfrieden  wichtiger ist, als das Wohlergehen der nächsten Generationen und der Erhalt unser Wälder. Während sie 7.000 unterschriften für die A49 gesammelt haben, haben wir 245.000 dagegen gesammelt. Demokratische Mitbestimmung wird also auch in Hessen ganz klein geschrieben.
 
Gegen diese Autobahn haben sich in den letzten Jahr hunderte von Akteur*innen und Gruppen versammelt und verbündet. Von der lokalen Bürgerinitiative über die Waldbesetzer*innen, hin zu verschiedensten Bündnispartner*innen: Seite an Seite kämpften sie bis zu letzt um jeden einzelnen Baum.
 
Wir haben damals gesagt, dass wir den Danni zum Symbol für die Mobilitätswende machen. Und das ist er geworden, und noch viel mehr: Und wir haben innerhalb nur eines Jahres diese Waldbesetzung enorm wachsen sehen, in den letzten Monaten kamen immer mehr Menschen dazu. Hunderte von Aktivist*innen saßen unermüdlich auch bei Minustemperaturen Tag für Tag in den Bäumen und haben sich Tag für Tag mit ihren Körpern der Zerstörung in den Weg gestellt und die Rodungsarbeit dadurch erheblich verzögert. Der Protest ist wirksam weil wir ihn alle gemeinsam tragen:: Ü60 Aktion, Parents4Future Demo, Familiendemo, Danni-Eltern – generationsübergreifend haben wir solidarisch protestiert und uns gegenseitig unterstützt! Wir haben massenhaften zivilen Ungehorsam geleistet. Menschen haben hier gezeigt, dass sie bereit sind sich  mit allem was sie haben der Zerstörung in den Weg zu stellen. Es gab in ganz Deutschland und sogar in Nachbarländern solidarische Aktionen mit uns. International wurde über uns berichtet. 
 
Der Polizeieinsatz gegen uns hat über zwei Monate lang Kräfte aus der ganzen Bundesrepublik gebunden. Die Polizei hat keine Kosten und Mühen gescheut, um unsloszuwerden. Aber wir haben deutlich gemacht: Die Klimagerechtigkeitsbewegung ist eine Macht, mit der man rechnen muss. Werden solche Großprojekte in der Zukunft wohl immer noch durch Wälder hindurch geplant?
 
Eine Autobahn, vor vielen Jahrzehnten ein Symbol für Freiheit und Wohlstand –  muss 2020 mit Nato-Stacheldraht, Wasserwerfern und massiver Polizeigewalt verteidigt werden. Wir haben das System genau da getroffen, wo es weh tut. Und dass sie auf der falschen Seite der Geschichte standen, wussten sie. Sonst hätten sie niemals so ein großes Polizeiaufgebot machen müssen. 
 
Wenn das Ziel der Regierung war, Menschen zu radikalisieren, haben sie das geschafft. Im Dannenröder Wald wurden junge Menschen traumatisiert und nachhaltig beeinflusst von der staatlichen Gewalt, die sie im Dannenröder Wald erfahren haben. Sie standen für ihre Zukunft ein und wurden wortwörtlich von der Polizei weggeprügelt.          
        
Die Polizei versuchte zudem die Waldschützer*innen zu kriminalisieren, weil sie wussten, dass sie sonst nichts gegen sie in der Hand haben. Sie versuchten uns erfolglos zu spalten. Nach dieser gemeinsamen Erfahrung von Polizeigewalt, von der Ungerechtigkeit, die alle in den letzten 2 Monaten mitbekommen haben, gibt es kein Zurück mehr. Wir sind wütend und je mehr Auto-Deutschland aufrüstet, je mehr Nato-Stacheldraht angekarrt wird, desto mehr wird klar, dass wir mit unserem Protest ins Herz einer überalterten autozentrierten Politik treffen. Es ist deutlichgewordenn, wieviel Angst Politik und Konzerne davor haben, eingestehen zu müssen, dass wir recht haben. Aber genau deswegen müssen und werden wir weitermachen!         
        
Als ob diese Autobahn jemals gebaut werden wird. In 4 Jahren soll sie fertig gebaut werden. Was denken sie denn? Dass sie unsere Baumhäuser abreißen und wir dann bedrückt nach Hause gehen? Vergesst es! Wird das der neue Normalzustand für den Ausbau von Autobahnen? Wie lange wird das politisch und wirtschaftlich noch tragbar sein? Ob das der längste Polizeieinsatz in der Geschichte wird?
 
Wir sind an einem Punkt in unserer Zeit, an dem es für Politiker*innen in Ordnung ist, das Pariser Klimaabkommen zu brechen, aber keinen Straßenbauvertrag.
Dass Verträge gebrochen werden müssen in einer Zeit der Krise, steht außer Frage. Die Frage ist nur, welche Verträge werden gebrochen?
 
In Deutschland sollen in der nahen Zukunft noch 850km Autobahn neu gebaut werden. Das ist doch nicht zu glauben. Wir haben bereits mehr als genug Autostraßen. An dem ÖPP Modell des Autobahnbaus machen vor allem internationale Konzerne und Investoren dicke Profite – die Verträge und Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden aus guten Grund verheimlicht. Warum will Scheuer nicht, dass die Öffentlichkeit weiß, wie viel seine Freunde an Autobahnen verdienen? Wir werden die Autolobby und Großkonzerne nicht mit ihren verantwortlungslosen Handlungen davon kommen lassen.
 
2021 ist auch das Jahr, in dem der Bundesverkehrswegeplan politisch überprüft – es ist jetzt Zeit den Neubau von Autobahnen zu stoppen – sonst wird es im Oktober 2021 viele viele Waldbesetzungen an den Hotspots geben. 850km Autobahn heißt auch 850km Widerstand.
 
Auch der Protest am Danni hört nicht auf – 2021 wird auch hier ein Klimacamp stehen und Menschen werden sich dem Irrsinn des Weiterbaus der A49 und anderer längst überholter Autobahnprojekte entschlossen in den Weg stellen. Die Automobilindustrie und -lobby wird sich im Herbst 2021 in München treffen – und auch dort wird es um die Autokorrektur fossiler Industrie aus der Vergangenheit gehen.
 
Auch für unser Bündnis geht es jetzt erst richtig los. Wir hören erst auf, wenn die letzte Autobahn verhindert ist und kein Wald mehr von der Abholzung bedroht ist. Auto-Deutschland hat dicke Dellen bekommen. Und das hier ist erst der Anfang
 
Waldbesetzung I
 
– Lola, ich spreche heute als eine Stimme aus dem Wald an Stelle von Kim Lauterbach
– wichtig: ich bin nur eine Stimme, wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sind auf unterschiedlichen Wegen in den Wald gekommen, gehen unterschiedlich mit dem Erlebten um. Meine Geschichte soll die Erinnerung zurück holen, uns für die Zukunft bestärken, aber auch skandalisieren, was hier zerstört wurde. Denn das ist, was hier passiert ist, ein politisches Desaster. Ein Verbrechen. 
 
Im Wald ist es noch ganz still. Die ersten Sonnenstrahlen scheinen warm durch die Äste auf mein Gesicht herab und ein paar bunte Blätter schweben sachte an mir vorbei. Ich schließe die Augen. Unter mir spüre ich die rauen Holzdielen des Baumhauses auf den starken Ästen des Baumes, auf dem ich geschlafen habe. Sacht wiegen sie sich mit dem Baumhaus im Wind, tragen alle Lebewesen, die hier auf dem Baum leben. Ich höre das Rascheln der Siebenschläfer, die sich nach einer aktiven Nacht langsam zur Ruhe begeben und atme durch meine kalte Nase die frische Morgenluft ein. 
Langsam sind die ersten Stimmen im Wald zu hören. Ich ziehe mir meinen Klettergurt an, schaue nach unten und nach einem kurzen Moment der Überwindung begebe ich mich in das Seil, verharre einen kurzen Moment an Ort und Stelle, um über das Blätterdach hinweg die Weite des Waldes und im Hintergrund die Silhouette von Stadtallendorf zu bestaunen. Schließlich lasse ich mich langsam weiter am Seil hinab dem Meer aus nassen, bunten Blättern entgegen. 
Auf dem Weg durch den Wald Richtung Protestcamp komme ich an all den Kunstwerken vorbei, die hier im Danni seit einem Jahr in die Bäume gebaut wurden. Ich sehe in ihnen die Liebe und Energie, die Menschen in sie gesteckt haben. Ich sehe die Träume, die daran hängen. Das Zusammensein und Zusammenkommen von Menschen. Hier haben Menschen ihr eigenes Zuhause gebaut- in Form von Bauwerken, aber vor allem in Form von Beziehungen zu Menschen und zum Wald, zu den Tieren, zu den Blättern, zu den Jahreszeiten. Viele Menschen haben den Wald und die Bäume auf denen sie leben kennengelernt. So zum Beispiel der Baum Tante Beate. Sie ist eine alte Wenn ich Menschen über ihr Zuhause frage, erzählen sie mir , wie ihr Baum heißt. Wie zum Beispiel Tante Beate.  Wie der Baum sich im Wind neigt, in den vier Jahreszeiten verändern, wie der Baum sich anhört, anfühlt. 
Ich komme an einem Banner vorbei, auf dem steht: Ab hier beginnt die Zukunft. Ja, denke ich. Der Kampf um den Danni ist bereits die Zukunft. Hier kommen so viele Menschen zusammen, die versuchen, eine alternative Art des Zusammenlebens zu erschaffen und das bereits jeden Tag tun. Eine Lebensweise abseits von Leistungs-, Konsum-, Wachstumszwang und Konkurrenz. Eine Lebensweise, die versucht, alle einzubinden, die eigene Kritik zu leben und Freiräume zu erschaffen. Diese Utopie ist unser Zuhause.
Ich komme an den Zelten des Protestcamps vorbei und freue mich über all die Menschen, die in den letzten Wochen zu uns gekommen sind. Denke an all die Demos ins ganz Deutschland, solidarische Banner-Aktionen, Blockaden und Videos. Auf dem Camp treffe ich all die Menschen, die sich mit uns zusammen gegen den Bau der Autobahn gestellt haben. Treffe Menschen von der BI, ohne die hier nie so angefangen hätte. 
 
Nach einem fantastischen Essen von der Küfa (der Küche für alle) mache ich mich abends wieder auf den Weg zu dem Baum, auf dem ich lebe. Der Mond beleuchtet die Wege, meine Kopflampe hilft mir dabei, nicht gegen jede einzelne Barrikade zu laufen und den trockentsten Weg und den Schlammwegen zu wählen. Ich klettere den Baum hoch und im Hintergrund sind die zarten Klänge der Hang Drum zu hören. Ich stehe auf dem Balkon, schaue den Mond an, der durch die Zweige scheint, atme die kalte Nachtluft und ein fühle mich so frei und so lebendig wie noch nie in meinem Leben. 
Und diese Freiheit könnt ihr uns nicht mehr nehmen.
Ihr, die schwarz-grüne Landesregierung, die Polizei, ihr habt die letzten zwei Monate zu den schlimmsten aber auch intensivsten Zeiten gemacht, die ich je erlebt habe. Ihr habt Lebewesen in Form von Bäumen getötet, ganze Ökosysteme zerstört, politischen Protest wortwörtlich mit Füßen getreten, uns kriminalisiert, Menschen durch die massive Polizeigewalt traumatisiert. All das, um den Profitinteressen hinter dieser Autobahn zu dienen. 
 
Ihr habt vielleicht den Danni gerodet. Unsere Baumhäuser zerstört. Aber unser Wille zur Veränderung für ein besseres Leben für alle Lebewesen könnt ihr uns nicht nehmen. Wir werden wiederkommen. Und wir werden mehr sein als je zuvor. Je mehr ihr uns schickaniert, je mehr ihr uns weh tut, desto stärker werden wir zurückkommen. 
 
 
Wir haben die Räumung und Rodung zu eurem politischen Desaster gemacht.
Und wir haben klar gemacht: Wir sind das Unkraut das immer wieder kommt. 
Wir sind die Autokorrektur des Systems.
 
Waldbesetzung II
 

Hallo, mein Name ist Funky. Mit Beginn der Räumung bin ich aus dem Hambacher Wald hierher in den Dannenröder Wald gezogen, um für Klimagerechtigkeit zu kämpfen.

Der Hambacher Wald und die Dörfer im Rheinischen Braunkohlerevier stehen für den Kampf um den sofortigen Kohleausstieg. Der Dannenröder Wald steht für eine echte Mobilitätswende. Beide Wälder stehen für Klimagerechtigkeit, die hier und weltweit dringend notwendig sind.

Während wir in Deutschland und im Rest des Globalen Nordens pausenlos im Höher, Schneller und Weiter des fossilen Kapitalismus unseren Planeten zerstören, leiden Menschen aus Ländern des Globalen Südens als erstes unter den heftigen Folgen der Klimakrise. Das ist unfair. Ob Braunkohlegruben oder unsinnige neue Autobahnen: Beides müssen wir dringend stoppen.

In einem Jahr wurde hier ein Freiraum geschaffen, in dem wir unser Ziel, das gute Leben für alle und den Erhalt des Planeten, ganz praktisch gelebt haben. Eine Welt ohne Bevormundung, ohne gedankenlosen Konsum, ohne starre Hierarchien. Bis die Polizei hier aufgetaucht ist, um den Wald zu zerstören, hat das super funktioniert.

Nach 40 Jahren des lokalen Protests und einem Jahr Waldbesetzung haben wir jetzt die Banden gebildet, die es benötigt, um die Autobahn und den PKW als Transportmittel anzugreifen. Die erste Schneise ist zwar geschlagen, doch die A49 ist noch nicht gebaut.

Bis zum Jahr 2024 soll die Baustelle der A49 bestehen, und auch Baustellenblockaden funktionieren gut, wie diese Räumung gezeigt hat. 850 Kilometer neue Autobahn sollen in Deutschland in den nächsten 10 Jahren entstehen. Das werden wir nicht zulassen! Es ist definitiv noch genügend Zeit für Blockaden und Widerstand gegen diese und andere Autobahnen. Ziehst euch warm an

Denn auch wenn unsere Baumhäuser zerstört wurden: Das, was hier geschaffen wurde, ist viel größer als diese unfassbare Schneise der Zerstörung. Unser Widerstand im Dannenröder Wald war erst der Anfang!

 
Aktionsbündnis „keine A49“
 
Das Aktionsbündnis Keine A49 stellt mit Entsetzen fest, unter welchen martialischen Bedingungen beim Ausbau der A49 ein brutaler Ökozid und ein klimaschädliches Projekt voran getrieben werden. 
Hinter uns sehen wir den Todesstreifen, auf dem alles Leben, das sich seit Jahrhunderten entwickeln konnte, in ca. 4 Wochen mit Stumpf und Stil erbarmungslos ausgerottet wurde. Wir sehen den Natodraht-Zaun, der vielen das Gefühlt vermittelt sich in einem Krieg zu befinden.
Mit industrieller Brachialgewalt wurden die altehrwürdigen Eichen und Buchen des Danni vernichtet und damit der Lebensraum zahlreicher Arten. 
Aktivisten wie Zivilisten wurden zur Zielscheibe unangemessener Polizei-übergriffe. Wir verurteilen besonders den Einsatz von Wasserwerfern gegen Demonstranten bei Eiseskälte sowie die eingesetzten mittelalterlich anmutenden Methoden des Aushungerns und Ausfrierens.
Viele von uns haben in den letzten Wochen den Glauben an den Rechtsstaat und die Polizei verloren. Und das wird unter dem Strich möglicherweise die schlimmste Folge dieses Einsatzes sein. 
Wenn die Trasse komplett gerodet sein wird, so hat unsere gesamte Gesellschaft diese Schlacht verloren, unser Klima, unsere Biodiversität, wir alle!
UNO-Generalsekretär Guterres hat in der vergangenen Woche den Staaten „selbstmörderisches Verhalten“ vorgeworfen angesichts der ungebremsten Erderwärmung. Deutschland beteiligt sich auch durch diesen Bau der A49 an diesem selbstmörderischen Verhalten. Wie in einem Brennglas verdeutlicht der Danni alle bestehenden Gefahren: Ökozid, klimaschädliches Verhalten, Gefährdung der Wasserressourcen für min. 500.000 Menschen!
Daher werden wir unsere Strategie jetzt auf eine neue Ebene heben. Nächste Woche werden wir über die weiteren juristischen Schritte entscheiden. Darüber werden wir dann zeitnah informieren.
Ein neues Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages stellt die Darstellung von Tarek Al-Wazir genauso in Frage wie die Gutachten von Greenpeace und RegioConsult. Das Erfordernis eines Planergänzungsverfahrens zur Sicherung des Grundwassers liegt in Wiesbaden. Durch den A49-Bau durch das Gleental würde es zu einer immensen Gefährdung des Grundwassers kommen. Und es ist vollkommen klar: Der PFB ist nach wie vor materiell rechtswidrig. Es geht weiterhin um eine gravierende Gefährdung der Daseinsvorsorge Wasser, die hier aus rein formalen Gründen in Kauf genommen wird! Das ist, als würde man ein Todesurteil vollstrecken, obwohl man weiß, dass der Delinquent wahrscheinlich unschuldig ist. Wir weisen noch einmal darauf hin, dass es zu diesem Risiko gangbare Alternativen gibt.
Neben dem juristischen Weg werden wir hier vor Ort unsere Strukturen aufrechterhalten: die Mahnwache, Sonntagsspaziergänge. Mit allen Akteuren werden wir in der kommenden Woche beraten, wie es weiter gehen soll. Am kommenden SO werden wir uns zu einem Ausblick wieder hier versammeln. 
In den letzten 1,5 Jahren haben wir erfahren, dass wir stark sind, wenn wir uns vernetzen und alle Beteiligten ihre unterschiedlichen Kompetenzen und Ressourcen in das Ganze einbringen. Was wir erreicht haben, haben wir zusammen erreicht. Dafür danke ich allen Akteuren sehr herzlich!
Dabei haben uns viele Umweltverbände und Gruppen geholfen, bei denen wir uns herzlich bedanken: BUND – FFF- XR – Greenpeace – Campact – Robin Wood- attac – – P4F – S4F -Klimabündnisse – Klimalisten, deren Gründung auch in Hessen wir ausdrücklich begrüßen und unterstützen.  Politisch beider Linksfraktion des Hessischen LT und des Bundestages.
Eine Bewegung kann man nicht räumen! Und einen Wald kann man wieder aufforsten.
Daher werden wir weiterhin alle friedlichen Mittel einsetzen, um den Danni zu einem Meilenstein des Klimaschutzes und der Verkehrswende zu machen.
Wir werden uns weiterhin mit den vielen Organisationen und Verbänden sowie den Klimalisten auf allen Ebenen gut vernetzen und in einer konzertierten Aktion von diesem Ort aus eine gesellschaftliche Flutwelle für den Klima- und Artenschutz sowie die Verkehrswende durch ganz Deutschland in Gang setzen. 
Vielen Dank!
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6 Responses to Pressestatements der Pressekonferenz vom 09.12.2020

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  2. Wolfgang Huckauf-Schwarz says:

    Ganz großen RESPEKT vor eurem Handeln – Hut ab vor eurem Widerstand, eurem Kampf , eurer Beharrlichkeit und Überzeugung; ihr habt in allem Recht und setzt die „anderen“ komplett ins Unrecht (moralisch, ethisch und menschlich).
    Dass sich die GRÜNEN als Regierungspartner so derart weg ducken ist nur erbärmlich und völlig unverständlich; ich gehe davon aus, dass für überzeugte ökologisch denkende Bürger hier das Ende der Fahnenstange erreicht ist bzgl. zukünftiger Mandatsvergabe an die (hessischen) GRÜNEN. Das hat mit Politstrategie nicht mehr viel zu tun, dass ist einfach Feigheit vor dem Konflikt und offenbart einen gebückten Kriecher-Gang durch die polit. Landschaft – wieso eigentlich ? Sehr schade !

  3. Mirko says:

    Guten Morgen,
    Schon seit Monaten verfolge ich euren „Terror“ gegen einen demokratisch-legitimierten und richterlich abgesegneten Weiterbau einer Autobahn.
    Ich bin jetzt froh, dass die Schneise geschlagen worden ist und der Weiterbau endlich kommt!
    Ihr bemängelt hier den rüden Einsatz der Polizei! Haltet ihr es denn für einen friedlichen Protest, wenn die Polizisten mit Pyrotechnik angegriffen wird, mit Steinen beworfen wird und mit Fäkalien überschüttet werden?

    So lang ihr Schwerverbrecher, Berufsdemonstranten und Krawalltouristen in euren Reihen duldet, dann seid ihr ganz allein für die Eskalationen verantwortlich.

    Es ist unverschämt, die Rodungsschneise als Todesstreifen zu bezeichnen.
    Damit verhöhnt ihr die ganzen Opfer an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die ihr Leben gelassen haben für den Drang nach Freiheit.

    Ich frage mich ja, wo euer Widerstand ist, wenn ganze Wälder oder Bergkuppen gerodet werden für den irrsinnigen Bau von neuen Windkraftanlagen?
    Eure Doppelmoral hier kotzt mich wirklich an!

  4. Andreas says:

    Seit mehreren Monaten habt ihr gegen den unsinnigen Bau der A49 gekämpft und versucht, einen gesunden Wald vor Zerstörung zu schützen. Euer weitgehend gewaltfreier Einsatz hat mich sehr beeindruckt. Ich habe viel Verständnis für Euren zivilen Ungehorsam und bewundere den Mut, der für derartige Aktionen notwendig ist.
    Ich wünsche Euch gutes Gelingen bei kommenden Aktionen und hoffe sehr, dass Ihr dabei weiterhin ohne Gewaltanwendung aktiv seid. Oft ist das schwer, weil „Kontrahenten“ leider provozieren und/oder handgreiflich werden. Es ist aber gerade der friedliche Protest, der die Chance bietet, Umdenken in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit voran zu bringen.
    In diesem Sinne nochmals „Herzlichen Dank“ für Euren Mut und die Entbehrungen, die Ihr für den Wald und damit für unser aller Umwelt auf Euch nehmt.

  5. Edith Heller says:

    Eure Erklärungen sind an Klarheit und Entschlossenheit nicht zu übertreffen.
    Ein starkes Zeichen, dass ihr euch nicht entmutigen lässt……ich finde das großartig und ich werde den Link zu eurem Blog an meine Bekannten weitergeben.
    Der Kampf geht weiter… für unsere Natur, unseren Lebensraum und unsere Zukunft

  6. Gabriele Völkel says:

    Hallo
    Ich habe Euren Kampf das erste mal auf einer Demo gegen Speziesmus in Frankfurt wahrgenommen, da hat jemand für den Dannenröder Wald gesprochen. Leider war ich nicht vor Ort, habe aber ab und zu etwas gespendet und werde es auch – soweit es finanziell geht – weiterhin tun. Ich danke Euch allen für Eure Widerstandskraft , für Euren Mut und Einsatz für den “ Danni“.
    Alles Liebe für Euch und bleibt dran !
    Gabi Völkel

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