Freie Klage- und Trauerschrift

Disclaimer: Dieser Text wurde von Einzelpersonen verfasst und nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gibt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfähiges Gremium, das ‚offizielle Gruppenmeinungen‘ für die Besetzung beschließen könnte. Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfältige und teils kontroverse Meinungen. Diese Meinungsvielfalt wird daher hier nicht zensiert, sondern kann gleichberechtigt neben einander stehen. Kein Text spricht für die ganze Besetzung oder wird notwendigerweise von der ganzen Besetzung gut geheißen.

Es war einmal das Barrio Drüben

Wenn du am späten Morgen an der Ground Kitchen angekommen bist, kochte natürlich irgendwas auf dem Feuer. Kaffee, Porridge oder schon irgendein Eintopf, der irgendwie immer gut wurde. War das Essen überhaupt mal komplett verkackt? Vielleicht ein, zwei Mal gab es angebrannte Pampe.

Die Menschen rund herum wuselten, bauten an ihren Behausungen weiter. Spirit Level bekam eine Tür, dann Wände und dann einen kleinen Ofen für den anstehenden Winter.

Menschen haben dort dicht an dicht geschlafen, und sie haben ihre Wärme geteilt und vervielfacht.

Weißt du noch, als Spirit Level noch existierte? Bevor es von den uniformierten Staatsgewaltätern heruntergerissen wurde? Scheiße ja, es ist erst Tage her.

Spirit Level hatte eine Couch. Es war ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer und an einem Seil hingen Klettergurte, die mensch sich spontan ausleihen konnte, um zum Beispiel die höchsten Baumhäuser Cop Catcher und Baramborak zu erklimmen.

Drüben war ein Zuhause. Seine BewohnerInnen waren kreativ und lustig und international und anarchistisch. Es war ein fantastischer, offener Ort. Dann wurde es umstellt von gesichtslosen StaatsarbeiterInnen, die gendern nicht mögen, mit ihren Waffen und Maschinen. Und die BewohnerInnen von Drüben’s Baumhäusern wurden riskant und rücksichtslos herausgerissen. Danach wurde auch der Rest abgerissen. Und das wurde dann Arbeit genannt.

Arbeit für ein völlig aus der Zeit gefallenes Projekt. Für ein lebensverachtendes System. Und dann verarschen die Grimmigen mit den dunkelblauen Helmen dich auch noch, während du in den Bäumen ausharrst. Und reden die ganze Zerstörung von Zuhause und Trinkwasserschutzgebiet schön – als einen einfachen Arbeitsauftrag, der ihnen auf keinen Fall nahe gehen soll. Sie klammern sich stur an ihre gesetzlich festgelegten Ideale.

Sie arbeiten selbstgerecht und mit „Schnelligkeit vor Sicherheit“ an diesem ohnehin lächerlichen Auftrag von der schwarz-kotzgrünen Landesregierung Hessens, die sich auf Beschwerden hin weiterhin nur feige rausredet. Verdammte Heuchler.

Verdammte Scheiße, es geht hier um unsere Zukunft!

Eigentlich bin ich auch gar nicht in erster Linie wütend, sondern traurig.

Drüben war einmal, und was bleibt? Die Menschen, egal, wo sie jetzt sind.

Unabhängiger Mensch aus der Waldbesetzung Dannenröder Forst

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2 Responses to Freie Klage- und Trauerschrift

  1. Jupp Flassbeck says:

    Nach der Räumung ist vor der Wiederbesetzung

    Die Menschen die im Danni oder auch im Hambi den Wald und die Bäume besetzen, leben dann dort und versuchen ihr Leben vernünftiger und menschengerechter zu gestalten als da „Draußen“.
    Der Versuch den Wald, die Wälder, zu retten, der symbolhafte Widerstand gegen die jeweiligen Großkonzerne und Politiker und der Versuch anders zu Leben, sind für die Menschen in den Wäldern untrennbar verbunden. Das ist aber nicht bei allen Menschen „Draußen“ so und es ist auch faktisch nicht so, es sind drei verschiedene Sachen.
    Wenn jetzt also im Rahmen der Baum- und Waldbesetzung wunderschöne Strukturen entstanden, ein „zu Hause“ für die Menschen, so kann es doch keine Heimat werden, denn zu der Baum- und Waldbesetzung gehört unweigerlich eben auch die Möglichkeit der Räumung und Zerstörung eures „zu Hause“.
    Selbst wenn die Politik die Rodung irgendwann stoppen sollte, es wird bis dahin weitere Räumungen und Zerstörung geben, diese sind leider Bestandteil des ganzen Szenarios.
    Bitte vergisst das nicht, wenn ihr euch neue Strukturen und ein neues „zu Hause“ baut, denn –
    Nach der Räumung ist vor der Wiederbesetzung

  2. Anonymous says:

    Nach der Räumung ist vor der Wiederbesetzung

    Die Menschen die im Danni oder auch im Hambi den Wald und die Bäume besetzen, leben dann dort und versuchen ihr Leben vernünftiger und menschengerechter zu gestalten als da „Draußen“.
    Der Versuch den Wald, die Wälder, zu retten, der symbolhafte Widerstand gegen die jeweiligen Großkonzerne und Politiker und der Versuch anders zu Leben, sind für die Menschen in den Wäldern untrennbar verbunden. Das ist aber nicht bei allen Menschen „Draußen“ so und es ist auch faktisch nicht so, es sind drei verschiedene Sachen.
    Wenn jetzt also im Rahmen der Baum- und Waldbesetzung wunderschöne Strukturen entstanden, ein „zu Hause“ für die Menschen, so kann es doch keine Heimat werden, denn zu der Baum- und Waldbesetzung gehört unweigerlich eben auch die Möglichkeit der Räumung und Zerstörung eures „zu Hause“.
    Selbst wenn die Politik die Rodung irgendwann stoppen sollte, es wird bis dahin weitere Räumungen und Zerstörung geben, diese sind leider Bestandteil des ganzen Szenarios.
    Bitte vergisst das nicht, wenn ihr euch neue Strukturen und ein neues „zu Hause“ baut, denn –
    Nach der Räumung ist vor der Wiederbesetzung

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