Pressemitteilung zu den Autobahnblockaden vom 26.10.20

Aus dem Kreise der Aktivist*innen, die mit ihren Spontanversammlungen vom 26.10.20 mehrere Autobahnen über Stunden blockierten, wurde folgende Pressemitteilung verfasst:

Große Autobahnblockade in Rhein-Main für die Verkehrswende

Frankfurt, 26.10.20. Mehrere unabhängig voneinander operierende Gruppen haben heute zum Wochenbeginn verschiedene Autobahnen blockiert. Die Aktion soll unter anderem Druck auf die hessische Landesregierung ausüben, insbesondere die Grünen, die alle ökologischen Werte mit ihrer Zustimmung zum Weiterbau der A49 verraten und damit die Lebensgrundlagen der jungen Generation gefährden. Zuletzt wurde auf der Landesmitgliederversammlung am Samstag mit starker Mehrheit ein Antrag abgelehnt, der das Ende der schwarz-grünen Koalition im Falle eines Nicht-Baustopps forderte.
Der Druck, den die im Stau stehenden Menschen heute Morgen erleben, richtet sich damit in erster Linie gegen die verfehlte Klimapolitik der Hessischen Landesregierung.

„Da diese Aktionsform des Banneraufspannens über eine Autobahn mit wenig Mitteln eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit erreicht, rechnen wir mit einer massiven Zunahme dieser Form des direkten Widerstands.“

In den vergangenen Wochen waren bereits mehrfach auf der A5 und der A3 durch die Polizei kilometerlange Staus ausgelöst worden, als Kletter*innen geräumt wurden. Zeitgleich zu einer solchen Aktion ist es vor Kurzem zu einem Auffahrunfall mit einem Schwerverletzten am Ende eines Staus auf der A3 gekommen. Die AktivistInnen sehen die Ursache für diesen Unfall sowie die durchschnittlich 1053 Verletzten und 9 Toten pro Tag in dem Automobil-Verkehrssystem selbst. Seit 2012 sind deutschlandweit die Zahlen der tödlich verunglückten Verkehrsopfer relativ stabil mit über 3000 verlorenen Menschenleben pro Jahr. Kai M., ein Teilnehmer der Aktion, meint dazu: „Wir engagieren uns für eine sozialgerechte und klimaschonende Verkehrswende. Wer einen sichereren Straßenverkehr will, sollte zusammen mit uns für autofreie Städte und Gemeinden, für besseren und kostenfreien ÖPNV, für Fahrradstraßen und Barrierefreiheit eintreten.“
Lotte M., die auch zur Gruppe gehört, verbindet mit dieser Aktion folgendes Ziel: “Wir wollen Aufmerksamkeit auf die jetzt stattfindende Zerstörung vergleichsweise gesunder Mischwälder wie dem Dannenröder Wald zum Weiterbau der A49 lenken.“ Der ist gerade dabei, Symbol im Kampf für eine kraftvolle Verkehrswende zu werden. „Wir glauben, dass ein Festhalten an diesen oder ähnlichen Projekten durch weitere Infra-Infarkte politisch wie wirtschaftlich zunehmend untragbar wird,“ so Lotte weiter. Ziel der Aktivisten ist nicht nur eine Anerkennung längst gemachter wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft, sondern auch eine sofortige Umsetzung der sich daraus ergebenden notwendigen Konsequenzen. Lotte dazu: „Endlich Handeln statt Labern! Wir wollen mehr Menschen dazu zu bewegen, den notwendigen Druck auf lahmarschige PolitikerInnen aufzubauen, diesen (selbst)-zerstörerischen Weg jetzt endlich zu verlassen.“
Die Beteiligten hoffen auf zahlreiche Mitstreiter*innen. Tabby M. hierzu: „In den Medien wird oft aufgebauscht, welche drastischen Strafen bei direkten Aktionen wie dem Abseilen von Autobahnbrücken angeblich zu erwarten wären. In der Realität handelt es sich aber in der Regel lediglich um Ordnungswidrigkeiten. Straferwartungen sind zwar nicht die Maxime nach der wir handeln, dennoch sind repressionsarme Aktionsformen für viele Menschen anschlussfähiger.“
„Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Habenwollen als Ersatzbefriedigung für all die Sachen kultiviert wird, die wir in Wirklichkeit am meisten wünschen: Nähe zum Mitmenschen, sinnvolle Tätigkeit und Gelegenheit sich weiter zu entwickeln. Statt die Konsumspirale immer weiter zu drehen, müssen wir uns selbst ermächtigen! Zum Beispiel durch direkte Aktionen. Macht mit!“

Eindrücke aus der Aktion:

Der Dannenröder Forst ist ein ca. 1000 ha großer und ca. 300 Jahre alter Laub- und Mischwald 20 km östlich von Marburg. Der Wald gilt seit den 1980er Jahren als Vorzeigewald für nachhaltige Forstwirtschaft. Seit Oktober 2019 wird der Wald von Aktivisten besetzt, um gegen die Rodung in diesem und angrenzenden Wäldern zu protestieren die für das Gesamtprojekt Bundesautobahn 49 bis zu 85 Hektar Rodungsfläche sowie 123 Hektar Flächenversiegelung durch Asphalt bedeutet. Unsere Aktion ist geichzeitig eine Solidaritätserklärung mit dem Widerstand gegen die A49 und allen Menschen und Bewegungen, die sich gegen Straßenneubau und für eine Verkehrswende einsetzen.
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