Gedanken einiger Waldbesetzis zur Nikolausaktion

Disclaimer: Dieser Text wurde von Einzelpersonen verfasst und nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gibt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfähiges Gremium, das ‚offizielle Gruppenmeinungen‘ für die Besetzung beschließen könnte. Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfältige und teils kontroverse Meinungen. Diese Meinungsvielfalt wird daher hier nicht zensiert, sondern kann gleichberechtigt neben einander stehen. Kein Text spricht für die ganze Besetzung oder wird notwendigerweise von der ganzen Besetzung gut geheißen.

Mehr und mehr „Nikolaus“-Pakete erreichten in den letzten Tagen das
Protestcamp des Dannenröder Waldes. Wir sehen die lieb gemeinte Idee
hinter der Aktion, dennoch können wir uns trotz der z.B. super netten
Briefe nicht hundertprozentig freuen.

Und dafür gibt es nicht nur einen Grund: Der Aufruf stößt viele Themen
an, mit denen wir uns hier auseinandersetzen und wo wir versuchen anders
mit umzugehen.
Ob es um den Kapitalismus, Konsumkritik, Ressourcenverschwendung oder
unsere Privilegien geht, alles eckt mit dieser Kampagne an.
Die Päckchen bestehen aus Unmengen gekauften Süßigkeiten, oft Schokolade
mit Kakao aus unterdrückten/ausgebeuteten Ländern, umpackt mit Plastik
und das alles für sehr viel Geld.
Versuchen wir nicht mit all den Themen besser umzugehen?
Nebenbei beschäftigen wir uns aus dem Danni heraus z.B. mit den
Geflüchteten weltweit, die oft unfreiwillig in desolaten Camps leben,
wie z.B. in Wäldern in Bosnien, wo ihnen gerade nicht erlaubt ist,
weitere Grenzen zu überqueren und es dort aktuell sehr wenig
Unterstützung und Hilfe gibt.
Es zeugt von einem großen Privileg hier in Deutschland, dass gerade der
Danni aktuell sehr viel Aufmerksamkeit bekommt und Menschen bereit sind
viel Geld an diese Besetzung zu spenden. Hier würden wir uns wünschen,
dass diese Leichtigkeit des Gebens und die Bereitschaft des Teilens auch
für andere Menschen und Projekte, die vor allem gegen Ihre eigene
Unterdrückung kämpfen, gelten würde. Denn diese Menschen haben viel
weniger Zugang zu Ressourcen und bekommen auch allgemein weniger
Aufmerksamkeit. Neben den Geflüchteten denken wir z.B. auch noch an die
Schwarze Bewegung oder Unterstützung von antipatriarchalen Kämpfen.

In unserer internationalistischen, hierarchiekritischen Waldbesetzung
leben viele Menschen die nicht christlich sind oder Religionen insgesamt
gegenüber kritisch eingestellt sind.
So ist auch der Anlass („St. Nikolaus“) der Geschenkaktion etwas
unpassend für viele von uns. Vor allem hat das Hervorheben eines
christlichen Feiertages gegenüber nicht-christlichen Festtagen einen
rassistischen Beigeschmack.

Deshalb: Danke den „Danni Eltern“, die zu der Aktion aufgerufen haben,
doch vielleicht kann das nächste Mal etwas länger darüber nachgedacht
werden.
Die ganze keineA49-Bewegung besteht auch nicht nur aus „Kindern“, die
irgendwelche Bäume besetzen, sondern setzt sich aus sehr verschiedenen
Menschen zusammen. Sehr divers, selbst-verwaltend und vor allem
generationsübergreifend!!!, wodurch sich einige von uns nicht wirklich
mit der Aktion identifizieren können.

 

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4 Responses to Gedanken einiger Waldbesetzis zur Nikolausaktion

  1. Peter Illert says:

    Es ist nun mal so, dass nicht nur die meisten SpenderInnen aus privilegierten Verhältnissen kommen, sondern auch die EmpfängerInnen. Warum die Sachen, die überzählig oder nicht erwünscht sind, nicht einfach in Stadtallendorf oder Neustadt an Leutis abgeben, die sich darüber wirklich freuen ?

  2. Samara says:

    Hallo auch,
    Ich bin so ein parent und war auf der Suche ob denn was angekommen ist oder ob es zu spät war. Der Text hat erstmal etwas geschmerzt, dann hab ichs verstanden. Ich fühle mich nicht direkt angegriffen weil ich ja weiß was drin war.
    Ist aber genau das womit ich mit meiner Familie zu kämpfen habe. Es wird fleißig weiter bei Amazon bestellt und ich als undankbar abgestempelt. Jetzt kann ich ein bissel nachfühlen und es auch weiter tragen. Es ist schwer so etwas nachsichtig zu kommunizieren.
    Ich möchte nur eben den Gedanken da lassen, dass vielleicht mehr „gerettet“ ist als man meint. Ist ein schöner Gedanke, finde ich. Liebe Grüße aus dem Süden und den Bergen

  3. Eichhörnchen says:

    Gutes Statement, die Kritik ist absolut angemessen. Jedoch kann aus dieser Aktion nicht automatisch abgeleitet werden, dass die „Spender“ nicht auch für Geflüchtete aktiv sind. Auch der Nikolaus-Tag muss nicht religiös verstanden werden, sondern einfach als Tag X! Im Übrigen wurde diese Aktion von Campact / Lara Eckstein promotet und auch von FFF / Luisa Neubauer unterstützt. Mit den Worten: „die Aktivist*innen freuen sich über Post von Ihnen. Besonders beliebt sind vegane Süßigkeiten, Nüsse, Plätzchen und Chips.“ Hier ist im Ansatz wohl schon etwas falsch kommuniziert worden, denn diese Sachen sind nunmal überwiegend in Plastik verpackt und werden käuflich erworben! Aber wie schon „Elch“ sagt, der Rückhalt der Bevölkerung ist wichtig

  4. Elch says:

    Das allermeiste was hier an Kritik und Bedenken zur Nikolausaktion geäußert wird ist richtig und nachvollziehbar und deswegen erst recht wert, geäußert zu werden. Aber: was hätte denn sonst gemacht werden können? Wäre es besser gewesen, wenn überhaupt nichts, zumindest vergleichbares, passiert wäre?
    Die Demonstration und Dokumentation des großen und weitverbreiteten Rückhaltes aus der Bevölkerung für den Widerstand gegen die A49 ist sehr wichtig (was auch viele Waldbesetzer gesagt haben) und wiegt meiner Meinung nach auch in diesem Fall (ggf. deutlich) mehr als die berechtigten Bedenken.

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