Wir brauchen die „Alles“-Wende!

Dieser Text wurde von einer Einzelperson aus der Besetzung heraus geschrieben. Er spiegelt somit auch nur die subjektiven Meinungen und Ansichten einer Einzelperson und keinesfalls die einer Gruppe oder Bewegung wieder.

Ich bin Teil dieser Besetzung geworden, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir grundlegende Veränderungen in allen Bereichen menschlicher Gesellschaften brauchen. Denn mit der aktuellen Lebensweise steuert die Menschheit diesen Planeten in Richtung eines ökologischen Kollaps – auch davon bin ich überzeugt.

Um in der ökologischen Krise, in der wir uns bereits befinden, ernsthaft umzusteuern, brauchen wir deswegen nicht nur eine Verkehrswende – wir brauchen eine „Alles“-Wende! Diese Wende muss alle Bereiche einschließen, für die wir Menschen Ressourcen dieses Planeten nutzen. Ernährung und Landwirtschaft, Strom- und Wärmegewinnung, Wohnen, Verkehr, Kommunikation, Gesundheit, Konsumgüter – sowie weitere Bereiche, die ich sicherlich noch vergessen habe.

Ich unterstütze die Forderung nach einer Verkehrswende voll und ganz. Mir geht es in der Kommunikation über diese Besetzung aber manchmal zu ausschließlich oder zumindest zu dominant um dieses eine Thema. Ich wünsche mir, dass der größere Zusammenhang (die ökologische und soziale Krise) mehr thematisiert wird und daraus dann Themen und Schlüsse abgeleitet werden. Und klar ist es gut und naheliegend aus einer Besetzung zur Verhinderung einer Autobahn Verkehrswende-Themen abzuleiten. Aber der Bau der A49 ist eben mit viel mehr Themen verknüpft: Mit dem Thema Ernährung (Trinkwassergefährdung und Verlust von Ackerflächen), mit Klimawandel (Wald als CO²-Speicher), mit dem Verlust von Lebensräumen für Tiere u.v.m. Ich fände es schön, wenn auch das mehr in der Öffentlichkeit ankommt.

Fokussierung ist manchmal natürlich gut und der Blick auf das „große Ganze“ ist oftmals schwieriger und kann überfordern oder Ängste auslösen. Ich denke aber, dass dieser große Zusammenhang so wichtig ist, dass wir trotzdem genau darauf blicken sollten! Überforderungsgefühle habe ich auch oft, aber Angst macht mir die Vorstellung, in einer Welt nach dieser „Alles“-Wende zu leben nicht! Denn ich verbinde sie nicht mit einem Gefühl von Verzicht oder Verlust. Ganz im Gegenteil: Das Leben nach einer solchen Wende ist meine persönliche Utopie. Wenn ich über diese Utopie nachdenke, denke ich an ein lebendigere, lebenswertere Zukunft. Eine Zukunft in der sich Menschen wieder als Teil der Natur begreifen, ihren Platz darin finden und dabei beachten, dass allen anderen Lebeswesen dieser Platz auch zusteht. Eine Zukunft, in der statt Entfremdung zwischen den Menschen und Entfremdung zwischen Menschen und Natur, Verbundenheit existiert. Eine Verbundenheit, die dazu führt, dass Menschen nicht nur miteinander achtsam und bewusst umgehen, sondern ebenso mit allen anderen Lebewesen, sowie mit den natürlichen Ressourcen, die die Basis jeglichen Lebens sind.

Das klingt alles nach einem blumigen Hippie-Traum? Erstens: Ich bin kein Hippie :-)! Zweitens: Diese Utopie ist für mich kein Traum, sondern ein reales Ziel, dem ich jeden Tag versuche näher zu kommen. Und drittens: Ich habe schon genug Orte erlebt, die sich wie eine erste Insel einer solchen Utopie anfühlten. Egal ob in einem Permakulturprojekt, wo nahezu alles was für das tägliche Leben benötigt wird, aus der unmittelbaren Umgebung kommt oder jetzt in der Besetzung im Dannenröder Wald: Das Gefühl, das ich an solchen „Insel“-Orten habe und die Veränderungen, die sie mit mir machen, lassen mich fest daran glauben, dass eine solche Utopie auch im Großen möglich ist!

 

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3 Responses to Wir brauchen die „Alles“-Wende!

  1. waldgnom says:

    Sehr wahre Worte!
    Du sprichst mir aus der Seele 😉
    Auf einen solchen gewissermaßen fundierten Optimismus sind wir alle individuell angewiesen in diesen düsteren Zeiten!

  2. Waldgnom says:

    Sehr wahre Worte!
    Du sprichst mir aus der Seele 😉
    Auf einen solchen gewissermaßen fundierten Optimismus sind wir alle individuell angewiesen in diesen düsteren Zeiten!

  3. Anonymous says:

    Wunderschön! Vielen Dank für die Erinnerung! 🙂

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